Deutschland bleibt zu Hause, auch die Abordneten.

Wie lange sitzen Sie schon im Homeoffice?

Die letzte komplette Sitzungswoche im Bundestag in Berlin endete am 13. März, unter anderem mit den Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld. In der Woche danach wurden bereits viele Termine aufs Telefonieren verlegt. Am 24. März gab es noch die Ratssitzung mit dem Doppelhaushalt und dann am Tag darauf einen wichtigen Sitzungstag in Berlin. Hier wurde der Weg für die Hilfspakte freigemacht. Seit dem arbeite ich komplett von zu Hause aus.

Insgesamt ist mir bewusst, wie privilegiert ich bin: mein Arbeitsplatz ist sicher und ich kann von Daheim arbeiten. Vielen geht es da gerade ganz anders!

Hakende Telefonkonferenzen und einfrierende Bildschirme – mit welchen technischen Schwierigkeiten mussten Sie sich im Homeoffice herumschlagen? Und welche technischen Tools nutzen Sie?

Ich bin es ja auch gewohnt, an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Meine Hauptarbeitsmittel sind aktuell das Handy und der Laptop. Ich verbringe viel Zeit in Telefon- oder Videokonferenzen. Das gilt insbesondere für die verschiedenen Arbeitsgruppen, aber auch für die Sitzung des Wirtschaftsausschusses oder unzählige Absprachen mit Ministerien, Kollegen sowie Unternehmen und Menschen aus der Region. Mit der Ratsfraktion tauschen wir uns zweimal wöchentlich über Video-Konferenzen im Netz aus. Ich nutze da alle möglichen Tools: z.B. Skype, Jitsi, GoToMeeting und unzählige weitere Anbieter von Telefonkonferenzen. Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos. Da verschwindet schon mal ein Teilnehmer komplett oder der Ton fällt aus.

Was ist möglich im Homeoffice, und was bleibt jetzt liegen oder muss verschoben werden?

Das Abarbeiten von Mails und die Vorbereitung von Sitzung funktioniert von zuhause aus ganz gut und es ist manchmal auch mehr Zeit, um Dinge in Ruhe zu lesen – wenn das Telefon nicht klingelt.

Mir fehlen die direkten Gespräche und Begegnungen sehr. Es gibt zwar viele Gespräche und Austausch über Mails und soziale Netzwerke mit Bürgern und Unternehmen – aber das ist nicht das gleiche. Insbesondere aus der Wirtschaft erhalte ich viele Anfragen zu den Hilfsangeboten von Bund und Land. An zwei Samstagen habe ich jeweils vier Stunden Telefonsprechstunde angeboten. Die Resonanz hat mich selbst etwas überrascht. Es ist aber auch ein gutes Gefühl, wenn man unbürokratisch helfen oder unterstützen kann.

Als Politik leben wir aber eigentlich von den direkten Begegnungen!

Wie läuft die Arbeit als Abgeordneter, wenn man für alle Absprachen auf Telefon und Mails zurückgreifen muss? Finden überhaupt noch Sitzungen statt?

Es ist schon eine Umstellung für mich, aber in der aktuellen Situation gibt es dazu keine Alternative. Jeder kann und muss einen Beitrag leisten, damit wir uns und andere schützen. Alle Sitzungen sind auf Telefon- bzw. Videokonferenz umgestellt. Das strenge Kontaktverbot wird natürlich auch von uns eingehalten. Ein paar Sitzungen finden als Telefon- oder Videokonferenzen statt. Ich kenne jetzt viele Wohn- und Arbeitszimmer von innen.

Die Struktur des Arbeitstags im Homeoffice fällt vielen schwer, was ist ihr Tipp? Wie gut gelingt Ihnen die Trennung von Arbeit und Privatem?

Der Tagesrhythmus geht einfach ein bisschen verloren. Normalerweise stehe ich früh auf, mache Sport, frühstücke, fahre dann zur Arbeit und mache irgendwann Feierabend. Jetzt geht das alles ineinander über – und das jeden Tag. Da ist jetzt natürlich vor allem Disziplin angesagt. Wichtig für mich ist gerade jetzt das regelmäßige Laufen. Da bekomme ich den Kopf frei.

Können Sie dieser Art des Arbeitens auch etwas Positives abgewinnen?

Man hat für manche Sachen mehr Zeit. Man hat weniger Termine, klar. Es kommt niemand ins Zimmer geplatzt mit irgendeinem Anliegen. Dafür klingelt das Telefon noch öfter. Viele erleben aber auch, dass ein paar Tage Homeoffice funktionieren können. Aber auf Dauer ist es schwierig alles unter einen Hut zu bringen. Zumal viele auch ihre Kinder nun zu Hause betreuen. Das klappt natürlich auch unterschiedlich gut.

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